Aimard

Daniel Defoe

(1660–1731)

Biogramm


1660 Daniel Foe wird in London als Sohn eines Fleischers und Kerzenziehers ge­bo­ren.
1671 Defoe soll Presbyterianerprediger werden und beginnt eine entsprechende Aus­bil­dung.
1678 Defoe bricht die geistliche Ausbildung ab und wird Handelsagent.
1684 Defoe heiratet Mary Tuffley, die eine Mitgift von £3,700 in die Ehe mitbringt. Mit dem Geld macht sich Defoe selbstständig. Aus der Ehe gehen acht Kinder hervor, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichen.
1685 Defoe schließt sich dem Duke of Monmouth bei dessen Rebellion gegen den König an und muss nach der Niederschlagung des Aufstands nach Frankreich fliehen, kehrt aber bald nach London zurück.
1685 Defoe handelt mit Wein, Tabak und Lebensmitteln. Er unternimmt ausgedehnte Reisen nach Frankreich, Holland, Italien und Spanien.
1692 Defoe macht mit £17,000 Schulden Bankrott und versteckt sich vor seinen Gläu­bi­gern in Bristol.
1697 Agent für William III. in England und Schottland.
1701 The True-Born Englishman
1702 Defoe verfasst The Shortest Way with the Dissenters, ein ironisches Traktat gegen die Staatskirche in der Auseinandersetzung zwischen der Staatskirche und den ihr nicht angehörenden Bürgern (dissenters).
1703 Wegen The Shortest Way with the Dissenters kommt Defoe ins Gefängnis und wird an den Pranger gestellt.
1704 Defoe beginnt mit der von ihm allein 10 Jahre lang produzierten Zeitschrift The Weekly Review.
1705 Defoe wird Regierungsagent und geht nach Schottland, um für den Zu­sam­men­schluss von England und Schottland zu arbeiten.
1713 Einige Tage Gefängnisaufenthalt wegen übler Nachrede. Er verfasst Flug­schrif­ten für das Haus Hannover.
1719 Mit größtem Erfolg erscheint Robinson Crusoe. Mit den beiden noch im selben Jahr folgenden Fortsetzungen kann er an diesen Erfolg nicht anknüpfen.
1722 Es erscheinen die drei Romane: Moll Flanders, A Journal of the Plague Year und Colonel Jack
1724 Roxana und A Tour thro’ the Whole Island of Great Britain
1724 Unter dem Pseudonym Captain Charles Johnson (Defoe muss sich wieder vor Gläubigern verbergen) erscheint A General History of the Robberies and Murders of the most notorious Pyrates, ein auch heute noch aufschlussreiches Stan­dard­werk über Piraterie
1731 Defoe stirbt in seiner Wohnung in Ropemaker’s Alley, Moorfields.

 

Beurteilung

Wenn auch Daniel Defoe nicht im 19. Jahrhundert gelebt hat, so ist sein Robinson Crusoe doch aus der Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts nicht wegzudenken.

Wieviel Daniel Defoe in seinem Leben geschrieben hat, ist anscheinend nie genau festgestellt worden. Die Angaben schwanken zwischen 250 und 500 Werken. Er ist aber der Schöpfer des Robinson Crusoe, wohl des bekanntesten Jugendbuchs überhaupt, obwohl es nicht für Jugendliche geschrieben wurde. Die erste Ausgabe erschien im April 1719 anonym als Tatsachenbericht unter dem Titel:

EA

Noch im selben Jahr erschienen in London drei weitere Auflagen und ein illegaler Nachdruck. Daran schlossen sich noch zwei Fortsetzungen an, die aber nicht annähernd die Popularität des ersten Teils erreichten und in Deutschland weitgehend unbekannt blieben. 1720 gab es in Deutschland schon fünf verschiedene Übersetzungen des Robinson Crusoe. Die erste deutsche Ausgabe erschien unter folgendem Titel:

Deutsche EA

Es folgten unzählige Ausgaben, Bearbeitungen, Bearbeitungen von Bearbeitungen, Über­set­zun­gen von ausländischen Bearbeitungen und – unter Verwendung des Robinson-Motivs – eine unübersehbare Menge von Neuerfindungen.

… mit dem Roman „Robinson Crusoe“, der bereits 1720 in Übersetzungen auf dem Kon­ti­nent erschien, schuf D., den Tatsachenbericht des schiffbrüchigen Matrosen Alexander Selkirk zugrunde legend, den Abenteuerroman aufklärerisch puritanischen Geistes und gab mit der Gestalt des Robinson Crusoe der Literatur ‚unter Verwendung des Insel-Motivs‘ einen neuen Prototyp des Abenteurers. Beides ging international in die Kinder- und Jugendliteratur ein, behielt über nun fast zwei Jahrhunderte Platz darin und bewirkte eine Fülle von "Robinsonaden" genannte Nachahmungen und Varianten. …Lexikon der Kinder- und Jugendliteratur. Weinheim und Basel: Beltz Verlag, 1984